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SG Hoppecketal / Padberg

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BÜROKRATIE UND "INTEGRATION DURCH SPORT"

11.04.2018

Leider läuft in der heutigen Zeit in den unteren Ligen, dem Amateurfussball, nicht alles wie geschmiert. Sieht man mal von unsäglichen Ansetzungen in der Bundesliga, wie dem Revier-Derby am kommenden Sonntag, welche Vereinen Zuschauer und damit Einnahmen kosten, ab, sind es gerade einfache Dinge im Juniorenbereich, bei denen die Arbeit des DFB Verbesserungsbedarf aufweist. In einem speziellen Fall, möchte sich Philipp Koch, Trainer der C-Junioren, mit einem Leserbrief an Verband und Sie bzw. Euch wenden:

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wir, die SG Hoppecketal/Padberg 1995 e.V., sind ein kleiner Fußballverein aus dem östlichen Hochsauerland und zählen knapp 135 aktive Mitglieder. Wir betreiben Fußball-Amateursport in allen Altersklassen, von den Mini-Kickern bis rauf zu den Senioren. Aufgrund des demografischen Wandels und vieler weiterer Hobbymöglichkeiten in der heutigen Zeit ist es uns nicht mehr möglich, den Jugendspielbetrieb ohne Kooperationen aufrecht zu erhalten. Daher wurde vor geraumer Zeit eine Jugendspielgemeinschaft (JSG) mit dem Tus Madfeld geschlossen und zur Saison 2017/2018 hin wurde diese sogar um die Vereine des VfL Giershagen und des SV Eresburg Obermarsberg erweitert. So wie uns geht es vielen Vereinen im Sauerland, ich behaupte sogar in Deutschland. Entsprechend liest man immer wieder, dass Vereine keine eigenen Mannschaften in den jeweiligen Jahrgängen mehr melden können, bzw. Mannschaften während der Saison wieder abmelden müssen. Trainer, Betreuer, der Verein und alle Spieler einer Mannschaft freuen sich daher, wenn sich Kinder und Jugendliche aktiv in das Vereinsleben einbringen möchten. Soweit zur Theorie; jetzt zur Praxis des Deutschen Fussball Bundes (DFB): Uns wird bei einer Anmeldung eines neuen Spielers jegliche Hilfe von Verbänden, Vorständen, etc. verwehrt. Im speziellen Fall geht es um einen Jugendspieler aus Mazedonien, der in Madfeld wohnt. Sein Vater spielt dort erfolgreich aktiv für die 1. Seniorenmannschaft. Seit Herbst 2016, als er im D-Jugend-Jahrgang war, versuche ich als Trainer und der TuS Madfeld als Partnerverein unserer JSG, für ihn eine Spielberechtigung zu erlangen. Bis heute, eineinhalb Jahre später, vergeblich. Es wird auf einen ungeklärten Spielstatus verwiesen bzw. auf den Flüchtlingsstatus der Eltern. Angeblich hätte er in seinem Heimatland noch „irgendwo“ einen Pass. Er solle doch Kontakt zu seinem Verein aufnehmen und diesen anfordern. Die Zustände in den Balkanstaaten sind allerdings hinlänglich bekannt. Ein guter Fußballer, der Spaß an dem hat, was er tut, wird durch bürokratische Hürden an der Ausübung seines Hobbys gehindert. Selbst meine persönlichen Telefonate mit der zuständigen Passstelle in Duisburg verliefen im Sande. Dort wurde schlicht auf die Statuten und den DFB verwiesen. Entsprechend ist die Verzweiflung bei allen Beteiligten groß.
Mittlerweile kommt der Junge nicht mehr zum Training und verbringt seine Freizeit wahrscheinlich lieber auf der Straße als auf dem Fußballplatz. Da frage ich Sie: Das soll Integration durch Sport sein? Dieser Satz klingt wie Hohn in meinen Ohren. Wir sind über jeden Spieler dankbar, der sich unserem Verein anschließt, egal welche Hautfarbe er hat und welcher Religion er angehört. Es sollte beispielsweise mal darüber nachgedacht werden, Vereinen einen Rechtsbeistand zur Seite zu stellen, der diese in solchen Fällen berät und Hilfestellung gibt. Mein Vorschlag wäre, den Spieler trotzdem in den Meisterschaftsspielen einzusetzen, aber spätestens bei der Passkontrolle wird der Einsatz unmöglich: kein Pass, kein Spiel. Ich als Trainer werde weiterhin jede Woche unzählige Stunden ehrenamtlich damit verbringen, den Spielbetrieb am Laufen zu halten, während hohe Funktionäre vom DFB sich scheinbar von der Realität an der Basis entfernt haben. Dass Integration durch Sport gelingen kann, zeigt der Anteil der Nationalspieler mit Migrationshintergrund. Aber auch diese waren einst Jugendspieler und wollten damals schlicht ihrem Hobby nachgehen.
P. Koch, C-Jugend-Trainer JSG Hopp/Pad/Mad/Gie/Obm